Kapitel 3 der gemeinsame Weg

Kapitel 3 der gemeinsame Weg

In den meisten Fällen ist das Ganze nicht so leicht. BDSM oder auch nur harter Sex sind gesellschaftlich nicht anerkannt; sich „schlagen“ zu lassen und das auch noch toll zu finden ist ein Tabuthema. Solltest du also noch nicht so weit sein, teste deinen Partner aus. Das kann ein wenig Dirty Talk sein. Trinkt ruhig ein Glas Sekt davor, das entspannt. Schau wie er reagiert, wenn du ihn an den Handgelenken festhältst oder ihn dazu aufforderst dir auf den Hintern zu hauen. Wehrt er sich, wenn du ihn festhältst, kratzt und beißt? Und damit meine ich nicht Abwehr infolge von Angst.

Im Gegensatz zu diesem Praxisversuch steht die theoretische Auseinandersetzung. Rede mit ihm. Evaluiere vorab wie wichtig dir das Thema ist. Kannst du dir vorstellen darauf zu

verzichten um deinen Partner zu behalten? Konstellationen in denen man die Beziehung hält, sich aber die einseitige Freigabe für BDSM gibt, funktionieren meines Erachtens nicht. Denn BDSM ist nichts, was man an der Haustür ablegt, kein Kleidungsstück, das man an- und ablegen kann. Du wirst zu deinem Herren früher oder später eine Beziehung aufbauen, die sehr tief ist. Und dann wird eben diese Beziehung in Konkurrenz mit deiner „normalen“ Beziehung treten. Und zumindest in meinem Falle wäre der Gewinner klar.

Nun ist der Idealfall eingetreten und dein Partner findet BDSM auch spannend.

Was wenn nicht?

Bitte überstürzt in eurem Aktionismus nichts. Meldet euch zb. erstmal im Joyclub an.  Lest Forenbeiträge, macht euch ein Bild von der sich nun eröffnenden, schier unendlich erscheinenden Welt. BDSM ist nicht BDSM. Die Neigungen und Wünsche hier können extrem differieren. Es gibt Subs, die lieben es gedemütigt zu werden, am besten öffentlich. Für mich geht das gar nicht. Mein Stolz ist mir heilig und wenn ich vor jemandem knie, dann genau vor einer Person. Alle anderen behandele ich nicht als Herren. Es gibt Subs, die Masochisten sind und darauf stehen, sich bis aufs Blut auspeitschen zu lassen. Werdet euch klar darüber was euch gefällt, auch wenn es erstmal nur im Kopf ist. Ihr habt die große Chance BDSM zusammen zu entdecken, diese Chance eröffnet sich nur einmal. Nutzt sie weise – beginnt sacht und verschiebt langsam die Grenzen.

Wenn ihr eure Hausaufgaben gemacht habt, spielt am besten erstmal zu Hause. Kauft euch ein paar Fesseln, Augenbinde und anfängergeeignete Schlagwerkzeuge und probiert sie aus. Wichtig ist der Grundsatz, immer lieber zu wenig als zu viel. Tastet euch langsam voran und verabredet ein Safe-Word. Zu Beginn auch gerne eine Farbskala (grün:alles gut, gerne steigern; gelb: hart an der Grenze, nicht mehr steigern; rot: sofortiger Abbruch). Bereite dich darauf vor, dass das Spiel in dir sehr viele Emotionen weckt. Von Wut über Ungewissheit, bis hin zu tiefstem Vertrauen. Und auch Tränen sind normal. Gerade wenn ich Stress habe, kann mich eine Session so sehr erden, dass meine Emotionen mich übermannen und ich einfach in Tränen ausbreche. Bereite auch deinen Partner darauf vor, er muss verstehen, dass er nichts falsch gemacht hat um dann ruhig zu bleiben und dich weiter aufzufangen.

Wo wir bei einem weiteren wichtigen Thema wären: Auffangen.

So sehr ihr das Schlagen/Geschlagen werden genießt, in aller Regel schließt sich Sex an eine Session an – und danach? Danach muss der Partner seine Sub auffangen. Halte sie fest, „bedanke“ dich für ihre Devotion, das muss nicht verbal sein. Gib ihr einfach das Gefühl sie sei in dem Moment alles für dich. Auch wenn du müde und erschöpft bist, gehört das zu deinen Pflichten. Alles andere kann eine Sub in ein tiefes Loch stürzen. Für manche Sub sind es intensive Streicheleinheiten, liebevolle Worte. Ich persönlich liebe es zu Füßen meines Partners zu knien/liegen und einfach nur in mir zu ruhen.

Eine Session ist zeitaufwendig und erfahrungsgemäß kommt ihr gerade, wenn ihr nich nicht eingespielt seid, eher nicht unter 2 Stunden raus. Also wenn ihr eine Session wollt, nehmt euch Zeit. Das ist besonders für den Dom wichtig, da die Sub in den seltensten Fällen in der Lage ist eine Session zu starten.

Eine Freundin hatte noch einen weiteren guten Tipp, den ich selbst nie angewendet habe, aber sinnvoll finde.

Schreibt Tagebuch. Gerade wenn man nicht so talentiert darin ist, über seine Gefühle zu sprechen, kann das eine wunderbare Hilfe darstellen. Nehmt ein leeres Notizbuch und schreibt eure Gedanken zur letzten Session auf. Des Weiteren ist es, denke ich, sehr spannend, nach ein paar Jahren BDSM zu sehen, wo man mal angefangen hat.