Kapitel 1 ein langer Weg

Für mich ist BDSM in seinen Grundzügen Teil meiner sexuellen Orientierung seit ich überhaupt sexuell empfinde. Ich habe als vor pubertierendes Mädel mit Schulfreunden gerangelt, ich suchte den Schmerz. Die ersten Masturbationsphantasien waren begleitet von Gedanken, die mir damals als überaus befremdlich erschienen. Ich stellte mir vor, wie mich ein Mann aus einer Stallung holte und ich mich fürchterlich widersetzte. Viel detaillierter wurde es zu der Zeit nicht, aber allein der Gedanke verhalf mir zu feuchten Träumen. Wenn ich mit meinen Freundinnen schlimme Filme guckte, in denen Frauen vergewaltigt wurden, hielten sich die Mädchen die Augen zu, während ich gebannt (und erregt) hinsah. Ich wünschte mir das Opfer zu sein.

Mein erstes Mal verlief völlig normal, mein Freund war 2 Jahre älter und auch für ihn war es das erste Mal. Nach hunderten Stunden Petting und enger werdenden Annäherungsversuchen schliefen wir miteinander. Es war ok, nicht herausragend, aber eben auch nicht überstürzt auf irgendeiner Partytoilette. Es folgten ein paar weitere Sexualpartner, die gleichzeitig auch Freunde waren (auf dem Dorf ist das so). Bis ich mit 17 jemanden kennen lernte der anders war, er war Anfang 20 und sexuell schon verhältnismäßig erfahren. Wir schliefen viel miteinander, er packte insgesamt härter zu. Das gefiel mir. Eines Abends waren wir bei ihm, er wollte Sex, ich nicht. Er sah mich an und sagte zu mir „und was, wenn ich es mir jetzt einfach nehme?“.

In dem Moment schossen die Gedanken durch meinen Kopf. Meine Mutter hatte mich humanistisch-emanzipiert erzogen. Diese Frage widersprach allem was ich gelernt hatte. Und trotzdem war der Reiz ihr nachzugeben extrem stark. Also nickte ich nur und ließ mich von ihm nehmen. Der Sex war hart, härter als ich es kannte. Und er war unglaublich gut.

Nach diesem Erlebnis war ich durcheinander, wir wiederholten es ein paar Mal, das Ganze verlief sich dann aber im Sande. In folgenden Partnerschaften war das Ganze immer mal wieder ein Randthema, aber auch wenn wir das Thema rudimentär aufgriffen, war das Potenzial, dass in mir ruhte erheblich größer. Mit 19 zog ich zuhause aus und war durch meinen, durch das Studium bedingten Ortswechsel plötzlich ans Internet angeschlossen (es erscheint unglaublich, aber bis dahin war es in dem kleinen Ort in Brandenburg fast unmöglich ins Internet zu kommen). Es eröffnete sich eine Welt von der ich nicht zu träumen gewagt hatte. Es gab so viel mehr Menschen die wie ich tickten. Ich habe die Gedanken zum Thema BDSM immer verdrängt, mir war klar, dass sie nicht gesellschaftsfähig waren und plötzlich merkte ich, dass es tausende Menschen gibt, die sich mit genau diesen plagen. Und diese Gedanken gar nicht negativ betrachteten, sondern sie sogar noch zelebrierten.

Diese Phase war sehr einschneidend. Mein damaliger Freund ahnte nichts davon. In meinem Kopf entstanden immer buntere Phantasien, im realen Leben studierte ich und führte eine ganz normale Beziehung.

Doch auch das sollte sich bald ändern.

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